Vor zwei Jahren war ich zum ersten Mal für den PokerStarsblog bei der World Series of Poker und entsprechend beeindruckt von der Größe der Turnierareas im Convention Center des Rio Hotel and Casino. „Wie soll man hier bloß den Überblick behalten?”, fragte ich mich damals beim ersten Blick in den gewaltigen Amazon Room, der rund 12000 Pokerspielern gleichzeitig Platz bietet.
Seit Sonntagnacht bin ich nun zum dritten Mal n Las Vegas und gestern führte mich der Weg natürlich gleich ins Rio, schließlich musste zunächst einmal der erstmals seit 2005 für die WSOP hergerichtete Pavillion Room begutachtet werden. Den Raum selbst kannte ich bereits, denn im Vorjahr fand dort die viertägige Pokermesse PokerPalooza – auch bekannt als Gaming Lifestyle Expo – statt, die Ausmaße waren aufgrund der Aufteilung durch diverse große Wände allerdings nicht zu überblicken.
Der Pavillion Room
Jetzt, wo dort 257 Pokertische auf 5.800 qm verteilt sind, werden die Ausmaße aber überdeutlich. Blickt man von einer Ecke des Raumes in die gegenüberliegende, dann erkennt man mit bloßem Auge tatsächlich nur einen wilden Haufen Ameisen und ich habe schon jetzt großen Respekt vor dem, was mich zum Main Event erwartet. Ab dem 5. Juli gibt es hier im Blog natürlich wieder Liveupdates vom größten Pokerturnier der Welt und als Blogger gilt es dann den Überblick über Amazon- und Pavillion Room zu behalten. Eine ganz neue Herausforderung.
Heute werde ich dem Rio erneut einen Besuch abstatten, diesmal aber mit Fotokamera ausgestattet. Jetzt widmen wir uns aber der Action an den Pokertischen, denn am Montag ist einiges passiert und auch der Ausblick für den heutigen Dienstag ist ebenfalls vielversprechend.
Wie die meisten von euch bereits wissen, hat Moritz Schmejkal das Bracelet bei der $10.000 World Championship Heads-up leider verpasst. Nachdem das erste Match der „best-of-three”-Serie gegen Ayaz Mahmood in der Nacht von Sonntag zu Montag verlorene gegangen war, stand Moritz natürlich unter Druck und musste die zweite Partie unbedingt gewinnen.
Es begann alles andere als gut für den Deutschen, der schon nach dem ersten Level mit 1,47 zu 6,21 Millionen Chips deutlich hinten lag. Doch Moritz kam zurück und es bahnte sich erneut ein echter Marathon an. Nach gut vier Stunden Spielzeit hatte Moritz erstmals knapp die Führung übernommen und die Spieler einigten sich gegen 23 Uhr auf ein einstündiges Dinnerbreak.
Moritz (re.) im Finale gegen Mahmood
Als es weiterging waren Presse und Railbirds längst auf eine lange Nach eingestellt, doch 30 Minuten nach Wiederbeginn kam es etwas überraschend am Flop mit [ah][td][9c] zum All-in. Mahmood hatte Moritz gecheckraist, der reagierte mit einer weiteren Erhöhung und Mahmood ging sofort All-in. Moritz war gecovert und er callte mit seinen restlichen 1,45 Millionen und [ad][6s] für Toppair. Mahmood drehte [qh][th] um und lag hinten. Am Turn folgte der [jd], der Mahmood einige weitere Outs brachte und tatsächlich materialisierte sich die Straight mit dem [ks] am River.
Moritz war geschlagen, doch die Entschädigung für das verpasste Bracelet fiel mit $386.636 recht üppig aus, sodass die Schmerzen sicherlich nicht allzu lange anhalten werden. Der neue World Champion Heads-up heißt Ayaz Mahmood und neben dem Bracelet gab es $625.682 Siegprämie.
Railbirdtechnisch war in der gegenüberliegenden Ecke des Amazon Rooms wesentlich mehr los und das aus gutem Grund. Das Lineup am Finaltable des $3.000 H.O.R.S.E. war gespickt mit großen Namen. John Junda war der Chipleader, gefolgt von Friend of PokerStars Bill Chen und Phil Ivey. Dazu kamen unter anderem WSOP Player of the Year 2009 Jeff Lisandro und Team PokerStars Chad Brown.
Für Downtown Brown reichte es auch diesmal nicht zum ersten Bracelet, er musste ich bereits auf Rang acht für $29.406 verabschieden, nachdem seine letzten Chips im Hold’em an Bill Chen gingen. Jeff Lisandro musste sich mit Rang fünf ($68.417) verabschieden und nachdem Ken Aldridge auf Platz vier ($93.418) den Tisch verlassen hatte, führte Chen mit 2,6 Millionen deutlich vor Juanda (1,1 Millionen) und Ivey (620.000). Zum dritten Bracelet reichte es aber nicht.
Die Finalisten beim $3.000 H.O.R.S.E.
Ivey eliminierte Juanda ($129.553), holte danach einen 1 zu 3 Chiprückstand auf und feierte letztlich den Gewinn seines achten WSOP-Bracelets, das mit für ihn sicherlich nebensächlichen $329.840 versüßt wurde. Bill Chen nahm als Runner-up $203.802 in Empfang.
Deutsche Bracelet-Chancen gibt es heute Abend bei der $10.000 World Championship Pot-Limit Hold’em. Bei 26 Spielern wurde der zweite Turniertag beendet und mit Konstantin Bücherl (301.000 Chips) sowie Team PokerStars Pro Sandra Naujoks (154.000) haben wir noch zwei heiße Eisen im Feuer. Chipleader Peter Jetten bringt es allerdings schon auf 684.000 Chips.
Sandra Naujoks
Konstantin und Sandra sitzen heute Abend zusammen am Tisch, wenn es in Richtung Finaltisch geht und bekommen es mit Thomas Marchese (572.000), Thomas Pettersson (157.000), Dustin Woolf (126.000), Clement Thumy (616.000), Vitaly Lunkin (180.000) und Blair Rodman (255.000) zu tun.
Die bezahlten Plätze sind damit zwar erreicht und $21.665 Preisgeld sicher, aber es darf natürlich ein wenig mehr sein. Schließlich gibt es für den Sieg nebst Bracelet satte $617.214 Prämie.
Im Geld sind auch die 140 Pokerspieler, die sich für Tag 2 des $1.500 NLHE Shootout qualifiziert haben. Aus dem deutschsprachigen Raum haben Tim Kahlmeyer und der Schweizer Sam El Sayed ihre Tische in der ersten Runde gewonnen und damit $5.632 sicher. Auf den Sieger warten morgen dann $382.725.
Zudem beginnt heute Tag 2 des $2.500-Razz-Turniers. 160 der 365 gestarteten Spieler sind noch im Turnier, 40 Plätze werden bezahlt und aus dem deutschsprachigen Raum lief es für Team PokerStars Pro Katja Thater am besten. Die Bracelet-Gewinnerin in dieser Disziplin geht mit 33.700 Chips in den zweiten Tag, was Rang 19 im Chipcount bedeutet. Nicht ganz so gut sieht es bei Hanno Offen (13.600) und Team PokerStars Pro Johannes Steindl (9.900) aus. Die erste Preisgeldstufe liegt bei $4.550, die Siegprämie bei $214.085.
Es wird also erneut ein spannender Tag im Rio und am Mittwoch folgt dann ja auch der nächste Höhepunkt, wenn sich die deutsche Pokergemeinde im Las Vegas Hofbräuhaus zum entscheidenden WM-Vorrundenspiel der deutschen Elf gegen Ghana trifft.
Stay tuned …