Bwin und PartyGaming fusionieren doch!
Samstag, Juli 31st, 2010Der heimische Internet-Wettanbieter Bwin verschmilzt mit dem britischen PartyGaming, die Aktionäre jubeln.Im Zuge der Fusion verlagert Bwin die Zentrale aus Wien, was Arbeitsplätze und Steuereinnahmen kosten wird.
Wien – Nach den Dementis der vergangenen Monate nun also doch: Der heimische Internet-Wettanbieter Bwin fusioniert mit dem britischen Wett-Anbieter PartyGaming. Damit entsteht das weltweit größte börsennotierte Glücksspielunternehmen. Die beiden Unternehmen gründen für die Fusion eine neue Gesellschaft nach Europäischem Recht (SE), die ihren Sitz auf Gibraltar haben wird. Bwin wird an der neuen Gesellschaft – Arbeitstitel “New PartyGaming” – mit 51,6 Prozent und PartyGaming mit 48,4 Prozent beteiligt sein. Bis zum Februar 2011 soll der 2,5 Mrd. Euro schwere Deal abgeschlossen sein. Als Folge wird sich Bwin von der Wiener Börse verabschieden, die neue Gesellschaft soll in London notieren. Der Börsenwert wird auf rund 2,29 Mrd. Euro geschätzt.
Neue Konzernspitze
Mit der Fusion ändert sich auch die Konzern-Spitze. Das bisherige Bwin-Chef-Duo Norbert Teufelberger und Manfred Bodner wird getrennt. Teufelberger wird CEO der neuen Gesellschaft, Finanzchef wird PartyGaming-Boss Jim Ryan. Bodner wechselt in den Verwaltungsrat des neuen Unternehmens und wird für die Markenintegration sowie die strategischen Verkaufsthemen zuständig sein. Darüber hinaus entsenden sowohl Bwin als auch PartyGaming eine jeweils gleiche Anzahl geschäftsführender und nicht geschäftsführender Vertreter in die Gremien der neuen Gesellschaft.
Ein Pflichtangebot für die Bwin-Aktionäre wird es nicht geben. Die Kernaktionäre beider Gesellschaften hätten sich verpflichtet, in den außerordentlichen Hauptversammlungen, die für das erste Quartal 2011 geplant sind, für den Zusammenschluss zu stimmen. Die Besitzer von Bwin-Papieren sollen im Zuge der Verschmelzung für eine Bwin-Aktie 12,23 Papiere der “New PartyGaming” bekommen. Eine Barabfindung wäre laut Bwin-Investor-Relations-Chef Konrad Sveceny maximal für 25 Prozent der Aktionäre möglich, da dem Deal mindestens 75 Prozent der jeweiligen Eigentümer zustimmen müssen.
Wie viele Arbeitsplätze durch die Fusion in Wien verloren gehen, wurde nicht gesagt. Bodner erklärte am Donnerstagabend vor Journalisten nur so viel: “Wir wissen noch nicht, wie viele Köpfe das kosten wird.” Die Synergien würden stärker in Liquiditäts- und Skalierungseffekten liegen, nicht in der Mitarbeiterzahl.
Headquarter wird verlegt
Bwin beschäftigt weltweit rund 1500 Mitarbeiter, 800 davon in Wien, wo das Unternehmen sein Headquarter hat. Dieses wandert durch die Fusion nach Gibraltar. In Wien werde man dennoch präsent bleiben, “weil Wien so wie Stockholm und Gibraltar zu den Kompetenzzentren von Bwin gehören” , erklärt eine Bwin-Sprecherin. Bodner erwartet, dass das neue Unternehmen in einem Jahr “mindestens genauso viele Mitarbeiter” haben wird wie heute – “dass das nicht immer die gleichen handelnden Köpfe sein werden, ist klar” . Die bisher für IT- und Marketing zuständigen Mitarbeiter sollen aber in Wien bleiben.
Die jährlichen Synergieeffekte bezifferte Bwin mit 55 Mio. Euro (vor Steuern). Rund 42 Mio. Euro würde an Kosten eingespart und zumindest 13 Mio. Euro an Cross-Selling-Umsätzen lukriert. Diese Synergien sollen innerhalb von zwei Jahren realisiert werden.
Von Analysten wurde die Fusion als strategische Entscheidung durchwegs gelobt. PartyGaming sei im Poker (PartyPoker), Casino (PartyCasino) und Gaming-Bereich (etwa PartyBingo) stark, Bwin bei Sportwetten. Gemeinsam sei man für die zunehmende Marktöffnung gerüstet. Für UniCredit-Analystin Katharina Kastenberger sind die Synergie-Erwartungen sogar noch “eher die untere Bandbreite der Möglichkeiten” . Denn ein Großteil komme aus Einsparungen, die Analystin sieht bei Umsatz-Synergien noch Potential.
Kritik übte Bwin-Ko-Chef Bodner am Donnerstag einmal mehr an der österreichischen Standortpolitik. “Die österreichische Bundesregierung macht es einem internationalen Unternehmen nicht unbedingt einfach.” Hintergrund dafür sind ein laufendes Steuerverfahren (Bwin soll wie berichtet sechs Mio. Euro Steuern nachzahlen), der Wettbewerb mit dem Monopolisten Casinos Austria und das Faktum, dass der Bereich Online-Gaming in Österreich noch immer nicht reguliert ist.
2009 hat Bwin in Österreich laut eigenen Angaben 45 Mio. Euro an Gehältern ausbezahlt und 26 Mio. Euro Abgaben (etwa Lohnsteuer) abgeführt. 20 Mio. Euro haben man im Land investiert und externe Dienstleistungen im Wert von 30 Mio. Euro eingekauft. Ein Großteil werde nun wegfallen.
Für Bwin tut sich mit PartyGaming auch eine neue Chance zum Wiedereintritt am US-Markt auf. Denn auf der Suche nach neuen Steuereinnahmen gibt es Signale zu einer Liberalisierung des US-Glücksspielmarktes – das könnten das Geschäft des neuen Konzerns deutlich ankurbeln. UniCredit-Analystin Kastenberger betont, dass die Größe des neuen Konzerns jedenfalls bei dem Einstieg in den US-Markt helfen wird: “Je größer, desto besser.”
Weitere Zukäufe schloss Bwin-Chef Teufelberger am Donnerstagabend nicht aus: “Wir schauen uns die Mitbewerber an.” Auch in den Bereich Social Media will man mit Übernahmen vordringen. Probleme mit den Wettbewerbsbehörden erwartet man nicht.
An den Börsen wurde die Fusion bejubelt. Bwin stieg im Tagesverlauf um 27 Prozent und schloss 17,88 Prozent fester. PartyGaming-Titel schossen 20,43 Prozent nach oben. (Lukas Sustala, Bettina Pfluger, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 30.7.2010)
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